75. Dalton HWY II
Zum ersten Mal im Dalton-Beton
Die ganze Nacht lang prasselte der Regen auf mein Aussenzelt und erst gegen 9 Uhr Morgens verkam er zu einem harmlose(re)n Nieselregen. Es kostete mich viel Überwindung, doch schliesslich nahm ich dies zum Anlass, mein warmes Zelt zu verlassen...
Der Dalton-Highway wird regelmässig mit Chemikalien behandelt, die bezwecken, dass der Dreck bei Tröckne besser aushärtet und weniger staubig ist. Wenn nun aber viel Regen fällt, ergibt sich ein extrem kompakter, klebriger Schlamm, der hier von allen "Zement" oder "Beton" genannt wird und heute war der Tag, an dem ich diesen Beton ebenfalls besser kennenlernen sollte:
Die Strasse war total durchweicht, mein Fahrrad bald eingedeckt mit Schlamm und das schlimmste: Ich blieb wortwörtlich am Boden kleben. Dazu kam, dass der Highway hier nirgends flach ist, sondern über endlos scheinende Hügel hinwegzieht - mit steilen Aufstiegen und Abfahrten.
Ich kam kaum vorwärts und musste meine Kette und die Ritzel-Kassette immer wieder vom Schlamm befreien. Einmal war sogar mein ganzes Hinterrad derart verschlammt, dass ich es herausnehmen und den Schlamm aus den Schutzblechen entfernen musste. Ich kam kaum vorwärts und wurde mehr und mehr verzweifelt: Wie soll ich bloss über 600km auf einer solchen Strasse schaffen???
Sobald man steht, hält beinahe jedes Fahrzeug (ausser die Trucks) an, um sich zu vergewissern, dass alles in Ordnung ist - das ist eine nette Geste und zweimal wurde ich sogar noch mit Esswaren beschenkt.
Bei Milepost 20 kreuzte ich 2 Mountainbiker, die den gesamten Dalton (670km) in 5 Tagen zurückgelegt hatten [Anm: später erfuhr ich, dass diese beiden Gesellen nach 2 Tagen unterkühlt zusammenbrachen und von Touristen aufgegriffen wurden - davon hatten sie mir natürlich nichts erzählt]! Nun da diese beiden die Strasse verlassen haben, sind es neben mir übrigens nur noch 2 Radler, die momentan auf dem gesamten Dalton-Highway unterwegs sind. Der Regen der letzten Wochen hat wohl so einige Aspiranten abgeschreckt.
Gegen Abend trocknete die Strasse etwas aus und so wurde es ganz angenehm zum Fahren und mein psychischer Zustand verbesserte sich wieder ein wenig - so blieb ich bis um 21 Uhr auf der Strasse, bis ich schlussendlich mein Zelt aufschlug.
Unterdessen ists bald 22Uhr und ich liege total abgekämpft in meinem Zelt und draussen prasselt bereits wieder der nächste Regenschauer...
Übersichtskarte
Datum der Etappe: 17.07.2014






